OZEAN-BOTSCHAFTERIN

Alicia Ward

Alicia ist auf Hawaii aufgewachsen und bereits seit jungen Jahren Schwimmerin, Apnoetaucherin und Gerätetaucherin. Nun hat sie eine berufliche Karriere in den Bereichen Fotografie, Meeresschutz und Bildung gestartet.


„Die Komplexität der verschiedenen Meereslandschaften fasziniert mich. Ich finde Inspiration in versunkenen Kathedralen und bin ein von jenen Mädchen, die ihren Lieblingskorallenkopf besucht, um zu sehen, welche Fische oder Krebse seine neuesten Mieter geworden sind.“



Wann und warum haben Sie mit dem Tauchen begonnen?

Ich bin mit dem Schwimmen im Meer aufgewachsen und war fast mein ganzes Leben lang ein Inselkind. Mit 15 entwickelte ich mich im Schwimmen weiter, weil ich das Apnoetauchen entdeckte. Als ich erkannte, welche Tiefen ich mit einem einzigen Atemzug erreichen konnte, fühlte ich mich dazu inspiriert, zu trainieren und meine Lieblingsumgebung weiter zu erkunden. Meinen ersten Job bekam ich als Fotografin für eine Schnorcheltour auf Oahu, und es wurde schnell sowohl eine Erwerbsarbeit als auch eine meiner Lieblingsbeschäftigungen. Apnoetauchen und Fotografie haben sich schon früh in meinem Leben kombiniert, und es ist eine Verbindung, die ich für immer in Ehren halten werde.

Erst 8 Jahre später wurde ich zur Taucherin ausgebildet. Mein damaliger Freund (jetzt Ehemann), Jim, war schnell dabei, mir eine Open-Water-Zertifizierung zu empfehlen, damit wir zusammen tauchen konnten. Doch ich lehnte immer wieder ab. Ich bin mir nicht sicher, warum ich anfangs so gegen das Tauchen war. Vielleicht lag es einfach daran, dass ich das unbelastete Gefühl des Apnoetauchens schon immer geschätzt habe. Wir wurden uns schließlich einig, als ich Jim sagte, dass ich nach Tahiti reisen wollte. Er sagte, er habe gelesen, dass es in Französisch-Polynesien einige der spektakulärsten Tauchgänge der Welt gäbe. Und so kamen wir überein, dass, wenn wir unser Geld für eine Reise nach Tahiti zusammenlegen würden, ich den Tauchschein machen müsste, um mit ihm zusammen in Tuamotu zu tauchen. Nach meiner Zertifizierung wurde mir klar, dass ich mich jahrelang davor gedrückt hatte. Das Tauchen eröffnete so viele neue Möglichkeiten zur Erkundung der Unterwasserwelt. Mein erster Tauchgang in Französisch-Polynesien hat mich umgehauen, und seitdem bin ich dankbar für meine Zertifizierung!

Was ist Ihr Lieblingsfisch oder -säugetier?

Ah, ich habe mich schon immer zu den Schwertwalen hingezogen gefühlt. Ich habe sie nur einmal in freier Wildbahn gesehen, ein paar Meilen von zu Hause entfernt (Hawaii Island), doch sie haben mich absolut fasziniert. Abgesehen von ihrer auffallenden Schönheit, verblüfft mich ihre Intelligenz, und ihre prachtvolle Erscheinung ist überwältigend. Ich befand mich im Wasser, als sich mir eine Kinderschar näherte und lautlos durch das Kobaltblau glitt. Das wechselhafte Wetter des Morgens sorgte für eine stimmungsvolle, leicht unheimliche Kulisse, und ich beobachtete ehrfürchtig, wie sie mich still beobachteten und dann an mir vorbeizogen. Etwas später präsentierten die größeren Erwachsenen etwas, das wie Jagdverhalten aussah, und ein Männchen näherte sich unserem winzigen Zodiac, das es an Größe in den Schatten stellte. Er rollte sich auf den Rücken, schaute zu meinem Mann und mir hoch und verfolgte dann weiter seine Beute.

Ich würde zwar gerne etwas Einzigartiges oder Verrücktes als meinen „Seelenfisch“ anbieten, doch wenn ich ehrlich bin, ist der Orcinus Orca definitiv der, zu dem ich mich am meisten hingezogen fühle.

Was macht Ihnen beim Tauchen am meisten Spaß?

Die Komplexität der verschiedenen Meereslandschaften fasziniert mich. Ich finde Inspiration in versunkenen Kathedralen und bin ein von jenen Mädchen, die ihren Lieblingskorallenkopf besucht, um zu sehen, welche Fische oder Krebse seine neuesten Mieter geworden sind.

Wie sprechen Sie Nicht-Taucher an, um sie für das Tauchen zu begeistern?

Ich bin häufig in den sozialen Medien unterwegs und teile meine Erlebnisse über und unter dem Wasser. Ich denke, dass das Teilen von Bildern und vor allem von Videos eine gute Methode ist, um jeden, der den Ozean noch nicht kennt, für all das zu begeistern, was er zu bieten hat. Ich spreche dabei auch gern über Methoden des verantwortungsvollen Tauchens, besonders wenn ich mit neuen oder Nicht-Tauchern plaudere. Und einfach andere daran zu erinnern, Korallen und Wildtiere zwar zu bewundern und zu schätzen, sie jedoch niemals zu berühren. Das ist ein wirklich wichtiges Thema und es lässt sich leicht ansprechen. 

Unvergesslichstes Taucherlebnis?

Jim und ich sind im Nationalpark Komodo getaucht und ich kann immer noch nicht glauben, dass die Dinge, die wir gesehen haben, real waren. Es war wie das Leben in „Findet Nemo.“ Nie im Leben hätte ich mir vorstellen können, dass ich in eine Welt eintauchen würde, die mit so gesunden, blühenden Korallen bedeckt ist. Das könnte als der beste Tauchausflug meines Lebens in die Geschichte eingehen. Wenn man bedenkt, wie zerbrechlich Korallen sind und wie schnell sie von unserem Planeten verschwinden können, dann weiß ich, wie unglaublich und besonders eine solche Erfahrung ist. Ich hoffe, dass wir gemeinsam eine Lösung finden können, um Orte wie diesen zu schützen, damit auch unsere zukünftigen Generationen sie erleben können.

Traumtauchen: wo und mit wem (lebendig oder nicht)?

Der erste Ort, der mir in den Sinn kommt, ist Rangiroa. Ich habe einen guten Freund auf Tahiti, der mir immer Fotos von den wilden Begegnungen schickt, die er in Rangi erlebt. Das würde ich gern selbst einmal erleben. Natürlich hätte ich gern Jim an meiner Seite und unserem tahitianischen Freund Olivier sowie ein paar meiner Lieblingstauchkameraden. Unsere kleine Freundesgruppe reicht von erfahrenen Tauchern bis hin zu Tauchanfängern und ich genieße es, mit allen das Abenteuer zu erleben. Die Tauchmeister/-lehrer scheinen immer zu wissen, wo man nach Wildtieren Ausschau halten muss, während die neueren Taucher von absolut allem begeistert sind. Sie alle an meiner Seite zu haben, bietet mir eine wirklich abgerundete Perspektive auf unsere Tauchgänge. Ich liebe es zu sehen, wie sich Masken mit Wasser füllen, wenn die Lachfalten die Dichtungen durchbrechen.

Lieblingsstück der Aqualung-Ausrüstung?

Mein Neoprenanzug! Großer Gott, was würde ich nur ohne Neoprenanzug machen? Ich rocke meinen 3mm-Aquaflex-Anzug auf Hawaii. Ja.. Ich habe gerade 3mm und Hawaii im gleichen Satz verwendet. Er hält mich warm, was ideal ist, da ich den größten Teil tagsüber zwischen 7 und 13 Uhr im oder unter Wasser verbringe und manchmal auch nachts (um Mantas zu sehen!). Außerdem bietet er mir Sonnenschutz, was für mich sehr wichtig ist. Ich benutze korallenfreundlichen Sonnenschutz für mein Gesicht und meine Hände, und der Rest von mir ist unbedenklich, weil ich meinen Neoprenanzug den ganzen Tag anbehalte. Es ist auch so ziemlich der perfekte Reiseanzug. Er funktioniert gut und sorgt in den meisten Klimazonen und Gegenden, die ich besuche, für Komfort.

Tauchfertigkeit, die Sie verbessern wollen?

Mit normaler Geschwindigkeit zu atmen, während man tief taucht, ist eine Fähigkeit, an der ich definitiv noch arbeiten muss. Damals, als ich den Kurs für meine Open-Water-Zertifizierung gemacht habe, hat meine Tauchlehrerin uns gesagt, dass es gut ist, „langsam und gleichmäßig“ zu atmen, aber sie hat uns kein Beispiel dafür gegeben, wie langsam. Also habe ich sehr, sehr langsam geatmet. Ich konnte nicht verstehen, warum ich nach dem Tauchen so starke Migräneanfälle bekam, bis mein Mann mich darauf hinwies, dass ich ein Drittel weniger von meiner Flasche verbrauchte als alle anderen. Seitdem habe ich meine Advanced-Open-Water-Zertifizierung erhalten und meine Atemtechnik verbessert. Aber ich verfalle unbewusst gelegentlich in ein sehr langsames Atemmuster, sodass ich mich immer, wenn mein Kopf zu pochen beginnt, daran erinnere, etwas schneller zu atmen.

Welche Schritte unternehmen Sie, um die Gesundheit unserer Ozeane zu verbessern? Haben Sie einen Rat für andere, die helfen wollen?

In den letzten Jahren habe ich die sozialen Medien als Plattform für den Meeresschutz und die Aufklärung genutzt und ich habe begonnen, mit meinem Mann in Kona auch Meeressafaris zu veranstalten. Wir nehmen unsere Kunden mit und teilen unser Wissen über die Tierwelt, der wir begegnen, und über die Notlage der Ozeane. Wir stellen unseren Gästen riffsichere Sonnenschutzmittel vor, verwenden wiederverwendbare Lebensmittel- und Getränkebehälter an Bord und halten für jeden Müll an, auf den wir im Meer stoßen.

Irgendwelche versteckten Talente?

Ich kann freihändig ausgleichen. Mir war nicht bewusst, dass dies eine begehrte Fähigkeit ist, bis ich 2008 einen anderen Apnoetaucher traf und er mich fragte, wie ich ausgleiche, wenn ich tauche. Vor unserem Treffen dachte ich einfach, dass jeder die Hände frei hat und dass die Leute, die ihre Hände benutzen müssen, eine Nebenhöhlenverstopfung oder so etwas haben.

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